Besuch bei SBB Intervention Ereignismanagement und Betriebswehr

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Tag 1

Es ist 07:30 Uhr, extrem kalt, ich stehe vor der Kabine auf Gleis 1 im Berner Bahnhof und werde durch einen Mitarbeiter des Ereignismanagements Bern begrüsst. So begann Tag 1 meines zweitätigen Besuches bei SBB Intervention-Ereignismanagement und der Betriebswehr.

Mein Betreuer hatte an diesem Tag Perronaufsicht im Bahnhof Bern und ich begleitete ihn den ganzen Vormittag. Normalerweise verrichtet er diese Arbeit alleine, doch an diesem Morgen hatte er ausnahmsweise Unterstützung durch einen zweiten Mitarbeiter. Grund dafür war, dass die Perronaufsicht allen Zügen Richtung Bern Weyermannshaus ein Sammelformular abgeben musste (Grund: Tempo 80 infolge Bauarbeiten). So wurde uns an diesem Morgen jedenfalls nicht langweilig!

Es dauerte nicht lange, da erreichte uns via Funk die Meldung, im Zug von Zürich sei ein medizinischer Notfall. Glücklicherweise war es aber nicht so tragisch. Securitrans begleitete die Person, welche zum Glück noch selber laufen konnte, zur Welle. Dort wurde sie der herbeigerufenen Ambulanz übergeben. Wir meldeten dem Zugsverkehrsleiter, dass die fragliche Person aus dem Zug sei und das Signal pünktlich Grün werden dürfe.

Etwas später kam noch der Berner Ersatzzug («Dispo-Pendel») für einen verspäteten Zug nach Zürich in den Einsatz. Wir gingen ebenfalls zum Zug und kontrollierten zum Beispiel, ob der Lokführer die richtige Ersatz-Zugnummer eingegeben hatte. Mittlerweile kämpfte ich mit EISKALTEN Händen! Dies scheint jedoch eine Gewohnheitssache zu sein: Obwohl ich der Einzige, der Handschuhen trug war, hatte nur ich kalte Hände!

Dann druckte ich die noch fehlenden Sammelformulare für die restlichen Züge des Tages aus und durfte auch ein Sammelformular alleine abgeben. Die Bestätigung ans Stellwerk Bern übernahm jeweils mein Betreuer.

In Bern ist die Perronaufsicht (normalerweise eine Person) täglich, mit Ausnahme des ersten und der drei letzten Züge, rund um die Uhr anwesend. Ausserdem gibt es noch die Aufsicht Personenverkehr. Diese trägt eine gelbe Warnweste und ist in erster Linie für das Wohl der Reisenden besorgt, während die Perronaufsicht von SBB Infrastruktur Betrieb vor allem für den Zugsverkehr aus betrieblicher Sicht schaut.

Tag 2

Voller Freude auf einen zweiten, spannenden Tag, stieg ich um 06:40 Uhr in den Bus nach Konolfingen – und ich sollte nicht enttäuscht werden! In Konolfingen wurde ich bereits von einem weiteren Mitarbeiter der Intervention Bern erwartet. Er war heute als Ereignismanager des Stützpunktes Konolfingen für das Gebiet Ostermundigen-Münsingen-Uttigen und Gümligen-Konolfingen-Langnau-Trubschachen verantwortlich. Er erklärte mir in seinem Büro seine Arbeiten.

Grundsätzlich „wartet“ der Ereignismanager auf einen Alarm. Bei Kleinigkeiten rückt er alleine aus und beseitigt beispielsweise ein totes Tier oder schaut bei «verdächtigen Jugendlichen» nach dem Rechten. Bei Grösserem, wie zum Beispiel einem Personenunfall oder einer Entgleisung, werden nebst dem Ereignismanager auch die SBB Betriebswehr (=Feuerwehr der SBB) mit dem Lösch- und Rettungszug (LRZ) sowie je nach Bedarf weitere Fachdienste aufgeboten.

In der „Wartezeit“ schaut der Ereignismanager auf den Bahnhöfen seines Gebietes zum Rechten. Beispielsweise kontrolliert er die Lautsprecher und Anschriften oder erstellt bei Graffitis und Vandalen Meldung.

Schnell war die Zeit in Konolfingen zu Ende und ein unerwartetes Highlight wartete auf mich. Ich durfte von Burgdorf nach Bern ins Depot mit dem SBB Lösch- und Rettungszug, kurz LRZ, mitfahren! Zwar war es der alte LRZ 97, da der moderne LRZ 08 gerade in Revision war. Dies war jedoch nicht minder interessant, da ich mir ein moderner LRZ bei der BLS bereits anschauen konnte.

Der LRZ 97 ist im Gegensatz zum modernen LRZ nicht selbstfahrend und muss durch eine Diesellok des Typs Am 843 gezogen werden. Deshalb muss der LRZ 97 bei jedem Richtungswechsel von der Lok umfahren werden, was zusätzliche Zeit und Nerven kostet. Beim neuen LRZ sind Richtungswechseln viel einfacher, da er mehrere Führerstände besitzt und sowohl das Tanklöschfahrzeug mit dem Gerätewagen, wie auch dem Mannschaftswagen, unabhängig voneinander und selbstfahrend sind.

Der Tank des LRZ 97 fasst 44’000 Liter Wasser und der des LRZ 08 50’000 Liter Wasser! Zum Vergleich: Ein normales Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr fasst «nur» ca. 2’000 Liter Wasser. Allerdings verfügt der LRZ über eine enorme Spritzleistung, weshalb der Tank trotzdem in 7-10 Minuten leer sein kann…

Bei der SBB Betriebswehr sind Lokführer und Einsatzleiter 365 Tage 24 Stunden vor Ort. Eine Schicht dauert 24 Stunden, man schläft und isst auch vor Ort. Jeder Mitarbeiter hat sein persönliches Bett (und die einzige Frau auch persönliches Zimmer und Bad…). Zwischen den (Übungs-)Einsätzen, arbeiten die Lokführer und Einsatzleiter am LRZ, Computer, betätigen sich sportlich im Fitnessraum oder entspannen sich im Ruheraum. Die restlichen Feuerwehrleute (teilweise auch Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr Bern) sind auf Pikett und kommen im Alarmfall ins Depot oder direkt zum Einsatzort. Innert 15 Minuten muss der LRZ abfahrbereit sein.

Wie alle, gaben sich auch die beiden Lokführer der SBB Betriebswehr grösste Mühe, mir einen interessanten und spannenden Tag zu bereiten – und den hatte ich! Vielen Dank an alle! – ich kann ja gar nicht mehr aufhören zu schreiben, so interessant war dieser Einblick für mich!

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